Karl Marx (1818–1883)

Jonathan Holler: Warum geht ohne Marx nix?

Irinell Ruf: Tja weil die wissenschaftliche Arbeit mit Marx  eine methodologische und keine ideologische Frage ist.

Karl Marx war Philosoph.

Die Befreiung des Menschen war sein Erkenntnisinteresse. Sein Ziel war die Emanzipation des Menschen aus der Unterdrückung durch Herrschaftsverhältnisse, die den Menschen von sich selbst entfremden. Das dialektische Denken war seine Methode.

Karl Marx war Humanist.

Die wissenschaftliche Arbeit mit Marx ist eine methodologische und keine ideologische Frage. Es gilt ihn als Grund legenden Gesellschaftstheoretiker und humanistischen Philosophen zu begreifen.

Das eine ist zu verstehen, was er in das Kapital über die Produktion des Mehrwerts erkennt, wie er die Entfremdung des Menschen von sich und der Natur in der kapitalistischen Produktionsweise begreift, wie er die Dialektik zwischen Ökonomie und Politik analysiert ...

Das andere ist ihn als dialektischen Philosophen zu erfassen und seine Methodologie auf eigene Forschungsfelder anzuwenden. Er ist Begründer der materialistischen Soziologie und Psychologie. Ihm geht es in der Analyse um das wirkliche Leben, das reale gesellschaftliche Sein in den Widersprüchen subjektiver und objektiver Verhältnisse. Hier liegt der Gegensatz zur idealistischen Theoriebildung begründet, die die dialektische Erkenntnisweise durch statische Betrachtungsweisen ersetzt. Diese theoretischen Auseinandersetzungen sind brisant und aktuell. Die Widersprüche in der realen Welt zwischen den Produktivkräften und den Produktionsverhältnissen - sie bilden eine dialketische Einheit, die es zu erkennen gilt - sind sichtbar und bilden die analytische Basis der materialistischen Theoriebildung. Die Analyse dieser komplexen Wirkungsweisen bilden das Wesen der Marx' schen Theorie, in der er Zeit seines Lebens auf der Basis von empirischem Material Grund legende Gesetzmäßigkeiten enttarnte.

Es bringt nicht viel darüber akademisch zu diskutieren was er nicht oder falsch gesehen hat. Es gilt seine analytische Methodologie für Erkenntnis im Interesse der Menschheit zu begreifen und in eigenen Tätigkeitsfeldern, in persönlichen TaT – Räumen für Veränderung in seinem Sinne emanzipatorisch zu wirken.

Die Anwendung seiner wissenschaftlichen Methode, die Anwendung der dialektischen Erkenntnisweise führt die Anklage, er sei Ideologe, ad absurdum. Er war parteilich – ja – für die ausgebeuteten, unterdrückten entfremdeten Menschen. Er zeigt uns Wege aus der Herrschaft der „Destruktivkräfte“.

Karl Marx 1844 zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie:

"Die Waffe der Kritik kann allerdings die Kritik der Waffen nicht ersetzen, die materielle Gewalt muss gestürzt werden durch materielle Gewalt, allein auch die Theorie wird zur materiellen Gewalt, sobald sie die Massen ergreift. Die Theorie ist fähig, die Massen zu ergreifen, sobald sie ad hominem (am Menschen IR) demonstriert, und sie demonstriert ad hominem, sobald sie radikal wird. Radikal sein ist die Sache an der Wurzel fassen. Die Wurzel für den Menschen ist aber der Mensch selbst … alle Verhältnisse umzuwerfen, in den der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist, Verhältnisse, die man nicht besser schildern kann. als durch den Ausruf eines Franzosen bei einer projektierten Hundesteuer: Arme Hunde! Man will Euch wie Menschen behandeln!"

(MEW Band 1:385)

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Die Grundlage seines Lebenswerkes liegt in seinem dialektischen Denken, in seiner Art das Wesen zu erkennen und den Schein der Erscheinungen zu entlarven.  Karl Marx ist angetrieben von seinem subjektiven Bedürfnis die Bewegung von Gegensätzen, von den sie bewegenden Widersprüchen zu begreifen. Sie sind zu analysieren in den Spannungsfeldern zwischen Ursache – Wirkung, Wesen – Erscheinung, Form – Inhalt, Allgemeines – Besonderes, Zufall – Notwendigkeit, Raum – Zeit, sowie der Negation der Negation, dem Umschlagen einer Quantität in eine neue Qualität, dies jedoch nicht losgelöst von dem realen Sein in einem konkreten Leben in der konkreten ihn oder sie umgebenden Gesellschaft.

Wie konnte er diese Zusammenhänge erkennen?

Durch die Anwendung der Dialektik als Methodologie für emanzipatorisch-humanistische Erkenntnis. Hier steht er in Verbindung mit Aristoteles und Schelling, sowie der dialektischen Erkenntnisweise dialektisch-materialistischer Natur-Mensch Betrachtungen und Reflexionen der arabischen Rationalisten und im Judentum. Sein Onkel war einer der wichtigsten Rabbiner im deutschsprachigen Raum seiner Zeit. Im Hause Marx wehte der dialektisch-analytische Geist.

Demokratie braucht Bildung

Irinell Ruf zur historischen Notwendigkeit emanzipatorisch-humanistischer Bildungsarbeit: