0,1 % Das Imperium der Milliardäre

Hans Jürgen Krysmanski (1935 – 2016) fragt in seinen wissenschaftlichen Auseinandersetzungen nach der Rolle, nach den realen Einflussphären der Superreichen auf globale gesellschaftliche Entwicklungen auf Politik, Medien und Kultur. Er analysiert die aktuellen, die konkreten kapitalistischen Produktionsverhältnisse in ihrer Dialektik zu der herrschenden Produktivkraftentwicklung.

„Ich (wollte) nur eine kurze Beschreibung der Erscheinungsformen des Kapitalismus und ihres Bezugs zum Superreichtum liefern. Es gab ja viele plausible Typologien. Ging man historisch vor, waren da beispielsweise die Phasen Manufakturkapitalismus, Industriekapitalismus, Monopolkapitalismus, Imperialismus, Finanzkapitalismus. Man konnte so seltsame Konstrukte wie Spätkapitakismus und Postkapitalismus oder das Konzept des High-Tech-Kapitalismus nutzen. Für die Phasen der Technikentwicklung gab es Begriffe wie Fordismus, Postfordismus und so weiter – und dann war da die digitale Revolution mit ihren dot.com-Milliardären. Fokussierte man eher auf die Geopolitik, ließen sich unter anderem angelsächsischer gegen den rheinischen, westlicher gegen den östlichen, lateinamerikanischer gegen den arabischen und heute selbstverständlich alle gegen den chinesischen kapitalismus ausspielen.

Aber dann kam ich ins Stocken, denn alle diese Typologien waren zu groß, zu schwer – und von gestern. Statt jener Vielfalt konstruierter Kapitalismen war es für eine Erkundung der Welt der Superreichen vielleicht sinnvoller, die Inseln des Reichtums ein wenig lockerern mit den jeweiligen gesellschaftlichen und politischen Umfeldern zu verbinden. Warum denn den sozialen Bewegungsraum der Milliardäre nicht einfach als eine Ansammlung von „Millieus“ begreifen? Denn das wirklich Wichtige war doch, klar zu machen, dass auch im obersten Tausendstel eine ökonomische Ausdifferenzierung des Kapitals stattfindet. Die extreme Privatheit, das zentrale Merkmal dieser Schicht, war ja nicht nur eine vom Boulevard umtanzte soziale oder gar sozialpsychologische Eigenschaft, sondern war zu einem Hauptelement des kapitalistischen Akkumulationsprozesses auf diesem Niveau geworden: Privatheit als Bedingung des Privateigentums an Produktionsmitteln und -bedingungen, des Privateigentums an den Produktionsverhältnissen, an den Überbauten, am Weltsystem als Ganzem. Unter diesem Gesichtspunkt war es letzten Endes egal, ob ein Milliardär in Sillicon Valley groß geworden ist oder unter einer Militärdikttur. Denn gerade im Zeitalter der Globalisierung spielt die in lokalen und regionalen und globaeln Millieus erscheinende unkontrollierte private Geldmacht eine zentrale Rolle.

Die wachsende Zahl der Superreichen ist heute nicht nur ein Indiz für das Wegbrechen staatlicher und demokratischer Kotrollen, sondern auch für die Wandlungsfähigkeit des kapitalisitschen Privateigentumsals solchem.“ (2012:154f)

Dieses Buch widmet sich der Frage wie diese Einflussnahme auf Politk, Medien und Kultur konkret zu bestimmen ist. Hans Jürgen Krysmanski analysiert die wesentlichen Erscheinungsformen zwischen Philantrophen, ThinkTanks und Stiftungen in ihren globalen Netzwerken auf die – auck künftigen – Ent wicklungen auf unserem Planeten. Er zeigt hiermit sehr fundiert die Dialektik zwischen Kapitalozen und Andropozen auf. Ja, was wir erleben ist Menschengemacht, jedoch in den Händen der 0,1%, die mit allen Mitteln der Kunst eine Entwicklung des Bewusstseins der 99,9% verhindern wollen und müssen, für den Erhalt ihrer Millieus, für den Erhalt der herrschenden Produktionsverhältnisse und damit der kapitalistischen Produktionsweise auf der Erde, in all ihren Erscheinungsformen, deren Wesen die Ausbeutung von Mensch und Natur in sich trägt.

0,1 % das Imperium der Milliardäre

Hans Jürgen Krysmanski
Westend Verlag

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