Vom Gott der Philosophen

 

 

 

 

Es gibt kein Denken jenseits philosophischer Ströme. Wir leben in Zeiten, in denen uns dieses Verhältnis (wieder) bewusst werden sollte. Gerade die aktuellen Debatten sollten auf ihr philosophisches Wesen hin untersucht werden. Es bleibt auch zu fragen nach dem Gottesverständnis, die diesen gegensätzlichen Strömen des Denkens und Glaubens immanent sind. Sie sind Teil vom jeweiligen Menschen- und Weltbild und damit von entgegengesetzten Gottesbildern.

Die Menschheit steht vor großen – auch spirituellen – Fragen. Wolfdietrich Schmied – Kowarzik widmet sich in seinen Studien dem philosophischen Gottesverständnis der letzten 250 Jahre. Dies indem er in diesem Buch die großen Gelehrten zu ihrem Verständnis von Philosophie und Theologie befragt. Er gibt einen Einblick in die Gedankenwelten von Kant, Hegel, Schelling, Schleiermacher, Nietzsche, Rosenzweig, Heidegger, Bloch, Fischer, Levinas. und ihren jeweils kultur-historisch bedingten – zum Teil entgegengesetzten  – Auseinanderstzungen mit „Gott“.

„Auch die Philosophie meint denselben Gott der Religion, ja es ist sogar die Philosophie, die darauf besteht, dass es nur eine Gottheit geben kann, wenn es eine gibt. Doch steht sie nicht in der Immanenz des Glaubens der Religion, sondern in der Immanenz ihres eigenen Frage- und Begründungszusammenhangs, den sie allerdings selbst nochmals kritisch zu hinterfragen hat. Das besagt zum einen, dass die Philosophie in ihrem Fragen nichts voraussetzen darf, auch Gott nicht, wenn sie nach Gott fragt, aber zum andern, dass sie sehr wohl für sich selbst auf Grenzen zu stoßen vermag, die auf Anderes über sich hinausweisen.“ (Schmied-Kowarzik 2020:11)

Der Autor fragt nach dem Verhältnis zwischen Philosophie und religiösem Glauben bei Kant und Schleiermacher. Er zeigt die Spannung zwischen „absoluter Religion“ zur Erfassung einer „philosophischen Religion“ bei Hegel und dem Kontrast zu Schellings Konzept des „notwendig Gottsetzenden Bewusstseins“. Schelling sieht die Freiheit Gottes als Ermöglichung der Freiheit des Menschen.

„Wie Kant (Religion, IV, B: 48f) weiß auch Schelling, dass de „Revolutionierung der Denkungsart“ die Umkehr des Verhältnisses von Eigenwillen und Universalwille kein einsamer und einmaliger Entschluss ist, sondern dass das Erwachen und Erstarken des Universalwillens im Menschen zu einer sittlichen Anstrengung sowohl eines jeden einzelnen Menschen als auch der Menschen in ihrer geschichtlichen Gemeinschaft werden muss. (Schelling, Freiheit VII: 389) Wo es aber dem Menschen gelingt, seinen Eigenwillen dem Universalwillen wieder einzufügen, da geht in ihm der Geist der Liebe auf, der Gottes Geist immer schon erfüllt.“ (ebd. S. 191)

Vom Gott der Philosophen

Wolfdietrich Schmied-Kowarzik
Verlag Karl Alber